Der Blattschuss – der perfekte Schuss?
Beim Schalenwild wird der jagdliche Schuss mittig auf das Schulterblatt als Blattschuss bezeichnet. In der Jagdpraxis wird allerdings oft der Schuss direkt hinter das Blatt, in die Kammer, bevorzugt. Dieser Schuss ist genauso sicher und sofort tötend, da Herz und Lunge getroffen werden. Das Schulterblatt bleibt so allerdings unbeschadet und kann mit verwertet werden. Wildbret vom heimischen Reh ist sehr beliebt, allein in der Jagdsaison 2015/16 wurden laut dem Deutschen Jagdverband (DJV) 8630 Tonnen Rehfleisch in Deutschland verzehrt.
Blattzeit beim Rehwild: Zeit für die Blattjagd
Die Brunft/Paarungszeit des Rehwildes wird als Blattzeit bezeichnet. Es ist eine Einzelbrunft und somit werden keine Brunftrudel gebildet. Sie findet je nach Witterung im Juli und August statt. Neben der Ricke nimmt auch das einjährige Schmalreh an der Brunft teil. Die Böcke treiben die Ricke – im Süden auch Geiß genannt – vor sich her. Hierbei entstehen oft sogenannte "Hexenringe", da die Ricke gern Kreise schlägt und so Spuren im Bodenbewuchs oder Feld hinterlässt. Während der Brunft findet die Blattjagd statt. Auf der Blattjagd macht sich der Jäger die Laute zur Verständigung zwischen Ricke und Kitz zunutze. Dieses Fiepen wird mit einem Blatter nachgeahmt und lockt den Bock auf die Fläche.Vorsicht im Straßenverkehr: Rehe in der Blattzeit als Ursache für Unfälle
In der Zeit der Brunft ist das Rehwild außer Rand und Band. Zu dieser Zeit sollte beim Durchfahren von ländlichen Gebieten die Geschwindigkeit massiv gedrosselt werden. Jedes Jahr verursachen Böcke und Ricken viele schwere Unfälle im Straßenverkehr, die für die Tiere oft tödlich enden. Immer öfter werden Wildwarnreflektoren und Warnschilder an besonders gefährdeten Straßen angebracht. Hier sollten Sie auf jeden Fall die Geschwindigkeit reduzieren.
Fakten & Zahlen über das Rehwild
Oft wird das Reh fälschlicherweise für die "Frau vom Hirsch" gehalten. Hier ein paar Fakten und Zahlen, die das widerlegen. Rehe sind zwar eine Hirschart und gehören auch zu der Familie der Hirsche, sind aber eine eigene Gattung. Der Rehbock trägt ein Gehörn, der Hirsch ein weit endenreicheres Geweih. Der Rehbock wirft sein Gehörn jedes Jahr in der Zeit von Oktober bis Dezember ab, der Hirsch zwischen Februar und April. Bei den Rehböcken gibt es Knopf-, Spießer-, Gabler- und Sechser-Gehörne.
Rehe bevorzugen die Dämmerung und ziehen besonders gern nach Niederschlägen zum Äsen auf Wiesen und lichte Waldflächen mit Unterbewuchs. Rehe leben im Sommer überwiegend territorial und im Winter in Notgemeinschaften, in sogenannten Sprüngen zusammen.
Als Konzentratselektierer sind sie eher Feinschmecker. Zur Nahrung der Konzentratselektierer gehören leicht verdauliche Nährstoffe, wie Zucker, Stärke und Proteine. Pflanzenfasern und Zellulose kommen daher selten im Nahrungsangebot vor.
Blattzeit, Hexenringe und Fiepen
- Unterordnung: Wiederkäuer
- Familie: Hirsche
- Gattung: Rehe
- Bock ♂
- Ricke/Geiß ♀
- Höchstalter: ca. 12 - 15 Jahre
- Größe: ca. 80 cm
- Gewicht: ca. 12-32 kg
- Paarungszeit: Juli/August
- Setzzeit: Mai/Juni
- Jungtier: 1-3 Kitze, überwiegend 2 Stück
- Bock wirft Gehörn von Oktober bis Dezember ab
- Haarwechsel beim Rehwild zweimal jährlich
- ausgeprägter Geruchssinn
- Lebensraum: Mischwald mit Strauchbewuchs, Feldgehölze, Felder und Wiesen sowie Waldrandzonen
- Konzentratselektierer
- Äsung: Kräuter, Triebe, Knospen, Blätter, Blüten, Früchte, wenig Gras
- natürliche Feinde: Fuchs, Wolf, Luchs, Wildschwein
Bret vom Reh – nachhaltig vielseitig
Das Wildfleisch – auch Wildbret genannt – vom Rehwild ist neben dem Wildbret vom Schwarzwild ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Es ist nicht nur besonders schmackhaft sondern auch extrem gesund. Rehwild besitzt nur circa 2 g Fett pro 100 g Muskelfleisch und enthält kaum Cholesterin, dafür aber Vitamine und Mineralstoffe, wie Eisen, Kalium, Phosphor und Zink. Rehfleisch verfügt über eine feine, zarte und dunkelrote Faserstruktur. Aus dem Rücken oder den Keulen können Sie hervorragend Grillfleisch zubereiten. Eventuell kurz in Öl einlegen, abtropfen lassen und dann von beiden Seiten zwei bis drei Minuten auf den heißen Grill legen. Etwas frischer Pfeffer, ein wenig Salz und fertig. Lesen Sie dazu auch gerne unseren Beitrag im Magazin.
FAQs – Häufig gestellte Fragen zum Blattschuss beim Reh
Was versteht man unter einem Blattschuss beim Reh?
Ein Blattschuss ist der jagdliche Schuss, der im Bereich des Schulterblattes bzw. knapp dahinter in den Brustraum („Kammer“) eines Stückes Rehwild angetragen wird. Ziel ist es, Herz und/oder Lunge sowie große Blutgefäße zu treffen, damit das Reh schnell und waidgerecht verendet.
Warum bevorzugen viele Jäger den Schuss hinter das Blatt statt direkt aufs Schulterblatt?
Viele Jäger wählen in der Praxis den Schuss direkt hinter das Blatt in die Kammer, weil er ebenso sicher tödlich ist, aber das Schulterblatt als wichtiges Wildbret weitgehend schont. So werden Herz und Lunge zuverlässig getroffen, während Knochen und Schulterfleisch als Wildbret besser verwertbar bleiben.
Welche Organe werden beim Blattschuss typischerweise getroffen?
Beim korrekt platzierten Blatt- bzw. Kammerschuss werden vor allem Herz, Lunge und die großen Blutgefäße im Brustkorb verletzt oder zerstört. Diese Kombination führt zu einem sehr schnellen Kreislaufzusammenbruch und gilt daher als besonders waidgerechter Standardschuss beim Rehwild.
Welche Bedeutung hat der Blattschuss für Wildbretqualität und -verwertung?
Ein sauberer Blattschuss bzw. Kammerschuss mit korrektem Haltepunkt verursacht im Idealfall nur geringe Wildbretentwertung, da vor allem die inneren Organe betroffen sind und wichtige Fleischpartien wie das Schulterblatt verwertbar bleiben. Das ist besonders relevant, weil Rehwildbret als sehr beliebtes, mageres und gesundes Fleisch gilt, das häufig genutzt und teilweise über Monate eingefroren wird.
Welche Rolle spielt der Blattschuss im Kontext von Waidgerechtigkeit und Sicherheit?
Der Blattschuss bzw. Kammerschuss gilt als empfohlener Standardtreffersitz auf Schalenwild, weil er ein hohes Maß an Tierschutz (schnelles Verenden) mit geringer Wildbretentwertung vereint. Gleichzeitig erfordert er einen sicheren Kugelfang, eine stabile Anschlagart und das Antragen des Schusses auf ein breit stehendes Stück Rehwild, um Fehlschüsse und aufwendige Nachsuchen zu minimieren.